16/07/2012

Report HOMBURG (D): Familienrekord


Bei einem der kuriosesten Rennen in der Geschichte der Deutschen Bergmeisterschaft musste der Homburger Automobilclub sein ganzes organisatorisches Können aufbieten.
Unzählige ergiebige Regenschauer setzten am gesamten Wochenende immer wieder die 2,6 km lange Strecke und das unbefestigte Fahrerlager unter Wasser. Nachdem über der Käshofer Straße in der Nacht zum Samstag enorme Niederschlagsmengen niedergingen musste der Zeitplan für die Trainingsläufe über den Haufen geschmissen werden.

Die meisten Piloten waren anfangs nicht in der Lage das Fahrerlager zu verlassen. Die jenigen die es bis an den Start schafften, spulten ihre drei Trainingsläufe im Block ab. Im Fahrerlager wurden unterdessen die Wege vom hochengagierten Bautrupp des HAC mit Radladern und Traktoren wieder befahrbar gemacht und gehalten. Im Verlauf des Wochenendes wurden so knapp 100 Kubikmeter Rindenmulch verarbeitet. Nach und nach wurde so das gesamte Tourenwagenfeld aus dem Fahrerlager geschleust und konnte das Training aufnehmen. Am Nachmittag, als sich die Situation wieder vollends entspannt hatte, ermöglichte die Rennleitung drei „Intervallläufe“ für die Rennsportfahrzeuge. Später lag man sogar unter dem Zeitplan und die ersten Piloten fragen im Rennbüro für einen vierten Trainingslauf an.

In der Nacht zum Renntag das gleiche Bild wie zuvor, Regen, Regen, Regen. Dennoch konnte das Rennen fast pünktlich gestartet werden. Das April-Wetter mitten im Hochsommer ging in die nächste Runde. Im ersten Rennlauf war die Käshofer Chaussee durchweg nasse. Danach ließen Wind und Sonne die Strecke teilweise abtrocknen. Da standen die Chancen den 12 Jahre alten Streckenrekord zu verbessern denkbar schlecht. Luxemburgs Guy Demuth, der im Vorjahr inoffiziell die Rekordmarke von Landsmann Christian Hauser (Reynard F3000) unterboten hatte, war am Renntag vom Pech verfolgt. Im ersten Durchgang würgte er am Start den Zytek-Motor ab und löste unglücklicherweise die Lichtschranke aus. Elektronikprobleme am Osella FA 30 sorgten im zweiten Lauf für das endgültige Aus des Luxemburger Champions. Der erst 22jährige David Hauser setzte sich im Dallara GP2 im ersten durchweg nassen Lauf an die Spitze, überraschend knapp vor Klaus Hoffmann im Opel Astra DTM und Herbert Stolz im nicht permanenten Allrad-Porsche 935 II. Norbert Brenner musste unterdessen seinen Opel Vectra V8 DTM mit Getriebeschaden im Transporter verstauen. Rechtzeitig zum zweiten Start der Top-Piloten war die Käshofer Straße das einzige Mal am gesamten Wochenende durchweg trocken. Hauser Junior wurde zunächst vom gestrandeten Guy Demuth gestoppt. Beim Wiederholungslauf war der Student dann nicht mehr zu stoppen und knackte in 1:07,344 min den Langzeitrekord seines Vaters um fast eine Sekunde. „Mein erster Versuch wäre wahrscheinlich noch schneller gewesen. Ich freue mich riesig über den Rekord, auch für den Veranstalter der mit diesem Wetterchaos hart getroffen wurde“, kommentierte Hauser. „Vor allem danke ich meinem gesamten Team“.

Astra-Pilot Klaus Hoffmann baute seinen minimalen Vorsprung auf Stolz komfortabel aus und sollte am Ende die beste Platzierung seiner langen Berg-Karriere einfahren. Erst dann folgten mit DM-Leader Frank Debruyne (Dallara F3) und dem Schweizer Yann Heche (Formel Renault) weitere Formel-Piloten. Debruyne lag mit der zweiten besten Laufzeit hinter Hauser auf Podiumskurs. Tommy Rollinger ließ es im Lola Formel 3000 am Morgen zu vorsichtig angehen und arbeitet sich im zweiten Lauf auf Rang sechs nach vorne. Mitte des dritten Laufs zogen erneut dunkle Regenwolken auf. Nun war die Gruppe H bis zwei Liter betroffen als Petrus erneut unfair die Schleusen öffnete, worauf erst nach einem Wechsel auf Regenreifen das Rennen fortgesetzt wurde. Als dann zur fortgeschrittener Stunde am Fiat 127 des italo-luxemburgers Canio Marchione das Getriebe platzte und er eine Ölspur von 300 Meter auf den nassen Asphalt legte, brach Rennleiter Jürgen Guckert die 39. Auflage des Bergrennens aus Sicherheitsgründen ab und ließ den begonnenen dritten Lauf annullieren.


1. David Hauser (L) Dallara GP2, 2:31,348
2. Klaus Hoffmann (D) Opel Astra V8 DTM, 2:38,723
3. Herbert Stolz (A) Porsche 935 II, 2:41,130
4. Frank Debruyne (D) Dallara Opel F3, 2:42,036
5. Yann Heche (CH) Tatuus Renault 2.0, 2:43,127
6. Tommy Rollinger (L) Lola Zytek F3000, 2:48,081
7. Georg Olbrich (D) Osella PA 21 Honda, 2:48,201
8. Bernd Letmade (D) Norma M20 Honda, 2:49,132
9. Holger Hovemann (D) Opel Kadett C 16V, 2:50,574
10. Sebastian Schmitt (D) Opel Kadett C 16V, 2:51,222
11. Patrick Orth (D) BMW 320iS 16V, 2:51,610
12. Roman Sonderbauer (D) Opel Kadett C 16V, 2:52,186
13. Norbert Wimmer (D) BMW 2002 8V, 2:52,345
14. Peter Naumann (D) VW Polo 1.4 G40, 2:52,579
15. Michael Dandl (D) BMW 320iS 16V, 2:53,503

Geschrieben von: Thomas Bubel http://www.berg-meisterschaft.de/

Catégorie : General
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